Deutschlandticket gilt im Juni und Juli auch in Dänemark
Zwei Monate lang können Inhaberinnen und Inhaber des Deutschlandtickets ohne Aufpreis bis Kopenhagen und Aarhus fahren. Der Zuspruch übertrifft die Erwartungen deutlich – über eine Verlängerung ist noch nicht entschieden.
Wer in diesem Sommer mit dem Deutschlandticket in der Tasche nach Norden fährt, muss an der Grenze nicht mehr aussteigen. Seit dem 1. Juni gilt das 58-Euro-Abonnement im Rahmen eines auf zwei Monate befristeten Feldversuchs auch im dänischen Nahverkehr – in Regionalzügen, Bussen und auf den Metro-Linien der Hauptstadtregion. Am 31. Juli endet der Versuch zunächst.
Möglich gemacht hat das eine Vereinbarung zwischen mehreren norddeutschen Verkehrsverbünden und ihren dänischen Partnern, die im Frühjahr unterzeichnet wurde. Erfasst sind sämtliche Nahverkehrsverbindungen nördlich der Grenze mit Ausnahme der Fernzüge und der Flughafenexpresslinien. Wer also von Flensburg über Padborg nach Kolding oder weiter bis Aarhus fahren will, kommt mit dem regulären Deutschlandticket aus – vorausgesetzt, er nimmt die Regionalzüge.
Zahlen über den Erwartungen
Nach Angaben der beteiligten Verbünde wurden in den ersten sechs Wochen rund 214.000 Fahrten gezählt, die auf den grenzüberschreitenden Geltungsbereich entfielen. Kalkuliert worden war mit etwa 130.000.
Wir haben mit Interesse gerechnet, aber nicht mit diesem Andrang. An den Wochenenden im Juni waren einzelne Verbindungen zwischen Flensburg und Fredericia zeitweise am Kapazitätslimit.
Auffällig sei, so Sørensen, dass ein großer Teil der Fahrgäste nicht aus der Grenzregion selbst stamme. Auswertungen der Zählungen deuteten darauf hin, dass viele Reisende aus Hamburg, Bremen und dem Ruhrgebiet kämen und den Feldversuch gezielt für Kurzurlaube nutzten.
Was gilt – und was nicht
Für Reisende ist die Abgrenzung nicht in jedem Fall selbsterklärend. Die Fernverkehrszüge zwischen Hamburg und Kopenhagen bleiben ausgenommen, ebenso die Schnellbuslinien einzelner privater Anbieter. Kontrolliert wird auf dänischer Seite mit denselben Geräten wie im Inlandsverkehr; das Deutschlandticket wird über den aufgedruckten Code eingelesen.
Auf einen Blick
- Zeitraum: 1. Juni bis 31. Juli, danach zunächst Ende des Versuchs
- Gültig in: dänischen Regionalzügen, Stadt- und Regionalbussen, Metro Kopenhagen
- Nicht gültig in: Fernverkehrszügen, Flughafenexpress, privaten Fernbussen
- Kosten: keine – das reguläre Abonnement genügt, eine Anmeldung ist nicht nötig
Beschwerden gab es vor allem in den ersten Junitagen. Damals war die Software einzelner Kontrollgeräte noch nicht aktualisiert, sodass gültige Tickets als ungültig angezeigt wurden. Betroffene Fahrgäste erhielten nachträglich erhobene Beträge nach Angaben des Projektbüros vollständig zurück.
Verlängerung offen
Ob der Versuch über den Juli hinaus fortgesetzt oder im kommenden Jahr wiederholt wird, ist offen. Die Kosten des Ausgleichs zwischen den Verkehrsunternehmen trägt bislang ein befristeter Fördertopf, der Ende des Sommers ausläuft. Eine Auswertung soll im Herbst vorliegen.
In der Grenzregion wächst unterdessen der Druck, aus dem Versuch eine Dauerlösung zu machen. Mehrere Kommunen beiderseits der Grenze haben sich in einer gemeinsamen Erklärung dafür ausgesprochen. “Für die Menschen hier ist die Grenze im Alltag längst keine mehr”, heißt es darin. “Der Tarif sollte das endlich abbilden.”
Reisenden, die den Feldversuch noch nutzen wollen, bleiben gut zwei Wochen. Die Verbünde raten, für die Wochenenden im Juli eine Sitzplatzreservierung im Regionalverkehr einzuplanen, wo diese angeboten wird – und ausreichend Zeit für Anschlüsse einzuplanen.